Dienstag, 8. April 2014

~Eule blickt zurück~ März 2014 [Off-Topic]

Hallo meine Lieben!
Ich bin etwas spät dran mit meinem Monatsrückblick und was soll ich sagen, die Flaute reißt nicht ab. Letzten Monat habe ich sehr geklagt darüber, diesmal ist es mir ziemlich egal. Was sind schon irgendwelche Statistiken und Zahlen?

Ich habe lange überlegt ob ich das hier erzählen will und bin zu dem Entschluss gekommen es zu tun. Warum auch nicht? Es ist schließlich etwas das zu meinem Leben gehört und totschweigen bringt keinem etwas. Außerdem bin ich selbst jemand der immer gerne weiß woran er ist, deshalb spiele ich jetzt mit offenen Karten.

Meine Mutter hat Anfang März (am 06.03., ein Datum das sich in mein Gehirn gebrannt hat) die Diagnose Darmkrebs bekommen. Beschwerden hatte sie schon seit November letzten Jahres, hat das aber mehr oder weniger vor mir und auch vor meinem Vater verschwiegen. Der Tumor hatte Zeit zu wachsen und größer zu werden, die Beschwerden wurde immer heftiger, bis sie sich dann doch endlich ein Herz gefasst hat und zum Arzt gegangen ist. Momentan wird sie bestrahlt, den ersten Block Chemo hat sie auch schon hinter sich und den Umständen entsprechend geht es ihr ganz gut. Sie ist eben tapfer, immer schon gewesen. Die Ärzte sind auch recht zuversichtlich das Ding entfernen zu können ohne zu viel vom Darm wegzuschneiden. Die Heilungschancen stehen also trotz der Größe und der Bösartigkeit des Tumors noch recht gut.

Ihr fragt euch sicherlich jetzt: Was ist mit Früherkennung? Warum ist sie nicht sofort zum Arzt gegangen sondern erträgt den Schmerz und die Darmprobleme monatelang?
Das ist auch etwas wo ich selbst sehr dran zu knabbern hatte. Man darf ihr da keine Vorwürfe machen. Wir haben schon einmal jemanden an den Krebs verloren, an Leukämie um genau zu sein. Meine kleine Schwester erkrankte daran im September 1999. Damals war sie 7 Jahre alt, ich 11. Meine Mutter war an ihrer Seite, 24 Stunden am Tag, zu jeder Zeit. Sie weiß genau was Chemo-Therapie, die Unterschuchungen und Operationen und diese Krankheit, egal in welcher Form sie auftritt, mit einem Menschen machen können. Sie hat das alles miterlebt. Sie kennt die Auf und Abs, die Hoffnung aber auch das absolut zerschmetternde Leid das einhergeht. Ich war damals Knochenmark- und auch Stammzellenspenderin, wir hatten das Glück, dass ich exakt als Spenderin gepasst habe. Doch auch das hat ihr nur einen Aufschub gegeben. Meine Schwester hat die Krankheit nicht überlebt. Sie starb am 01.09.2000, ein Jahr nach ihrer Diagnose im Alter von 8 Jahren bei uns zuhause in ihrem Kinderbett, in den Armen meiner Eltern.

Was muss meine Mutter für eine furchtbare Angst gehabt haben als sie geahnt hat was da in ihrem Körper passiert? Sie hat versucht das zu verdrängen, hat versucht mit ihrem Leben weiter zu machen und wollte das nicht wahrhaben. Kann man verstehen bei dem Hintergrund, oder? Hinzu kommt, dass eine Freundin von ihr vor zwei Jahren an Darmkrebs starb. Wie viel kann ein Mensch ertragen bis er zerbricht? Meine Mutter ist so unfassbar stark und ich bin so dankbar dafür. Ich habe ein gutes Gefühl, dass sie es schafft. Sie muss es schaffen. Denn was passiert mit meinem Herz und meiner Seele wenn ich sie auch noch verliere? Die nagende Wut in meinem Bauch die ich noch zwei Wochen nach ihrer Diagnose hatte ist verraucht. Im Moment bin ich einfach nur optimistisch und lebe weiter wie bisher, lebe meinen Alltag. Uns geht es gut, jedenfalls im Moment.

Es tut mir leid, dass mein Rückblick so ist wie er ist. Und das er nichts mit Büchern zu tun hat, denn ich verzichte an dieser Stelle auf meine übliche Statistik. Vielleicht hole ich das irgendwann mal nach. Aber nachdem ich das hier geschrieben habe, merke ich wie eine Last von mir abfällt. Ich habe noch niemals bisher über meine Schwester geschrieben. Noch nie. Ich sehe es als gutes Zeichen, dass ich es jetzt kann. Es zeigt mir, dass ich okay bin, dass es Vergangenheit ist.

Habt ihr Interesse daran, dass ich euch ab und zu auf dem Laufenden halte wie es der Eulenmama geht? Wenn das Thema zu schwierig für euch ist, dann verstehe ich das. Soll ja in erster Linie auch ein Buchblog bleiben, nur ich werde eben in nächster Zeit nicht viel zum posten kommen aus bekannten Gründen. Nur damit ihr Bescheid wisst.

Eure Eule


Kommentare:

  1. Liebe Insi!

    Was sagt man zu so einem grundauf ehrlichen Post? Was sagt man als Mensch, dem es gut geht zu solch einer ungerechten Grausamkeit? Ich bin echt sprachlos und gleichzeitig bewundere ich deinen Mut und die Stärke von dir und deiner Mutter.
    Ich kann dir nur - und das von Herzen! - alles, alles Gute wünschen. Natürlich in erster Linie deiner Mutter, aber auch, dass du stark sein kannst und nicht an den Gefühlen, Ängsten und Zweifeln kaputt gehst. Ich hoffe sehr, dass alles gut geht und dass die positiven Prognosen sich in Wahrheit verwandeln.
    Und ich finde, man kann niemandem von euch nach der Vorgeschichte einen Vorwurf machen. Jeder, der das tut, hat das Wesentliche nicht verstanden. Ich finde es umso bewundernswerter, dass deine Mutter sich doch zum Arzt gezwungen hat.
    (übrigens verstehe ich auch jetzt deinen Kommentar, den du mir damals zu dem DKMS-Post hinterlassen hast sehr viel besser und freue mich umso mehr, dass ich Teil von einer lebenswichtigen Hilfe sein kann)

    Ich wünsche dir und deiner Familie alles, alles Gute und danke für deine ehrlichen Worte. Jeder kann sich wohl vorstellen, dass dir der Post alles andere als leicht gefallen sein muss.

    Ganz liebe Grüße,
    Lyrica

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  2. Ach, Mensch, Eulchen, ich drück dich mal ganz feste!
    Ich freu mich, dass du momentan ganz gut damit zurecht kommst, hast ja schon einiges hinter dir. Ich glaube auch, das positives Denken viel bewirken kann, auch im Umgang mit deiner Mama. Ich drück euch alle Daumen und wünsche euch, dass das alles bald besser wird.

    GLG Aleshanee

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  3. Liebe Insi.
    Wow ich hatte eben beim Lesen deines Posts ganz schön zu schlucken. Mir tut es echt leid, dass du und deine Familie gerade eine so schwere Zeit durchmachen müssen. Da verschieben sich ganz verständlicherweise die Prioritäten was ich aber auch einfach nur menschlich finde.
    Ich wünsche dir und deiner Mama gaaaanz viel Kraft und Zuversicht, auch wenns nicht immer leicht ist. Und zu deiner Frage, also ich finde Posts in denen man auch mal vom Alltag und dem Befinden schreibt toll.
    Ich schick dir ein bisschen Sonnenschein. Liebe Grüße Petra

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  4. Hey,

    ich weiß gerade gar nicht was ich schreiben soll... ich wollte dich nur wissen lassen, dass du nicht alleine bist <3. Ich wünsche euch alle erdenkliche Kraft, Mut, Entschlossenheit und Liebe. Mehr kann ich gar nicht tun, außer einen kleinen Grüß hierlassen.

    Ich bewundere dich für deine Stärke diesen Text zu schreiben und zu veröffentlichen. Mir sind Tränen gekommen. Ich wünsche euch alles erdenliche Gute!!!!

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  5. Mir fehlen gerade ein wenig die Worte! :(( Das liest sich wirklich, wie ein Buch, dass ich nicht lesen mag!
    Die Stärke deiner Eulenmama ist wirklich bewundernswert und auch deine Stärke dies "öffentlich" zu machen! Ich drück euch sämtliche Daumen und Krallen, dass ihr diese schwere Zeit bald hinter euch haben werdet!
    Fühl dich unbekannterweise fest gedrückt!
    Liebe Grüße
    Steffi

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Hallo LeseEule!
Ich freue mich sehr auf deinen Kommentar, was auch immer du zu sagen hast: Raus damit! :D
Natürlich antworte ich dir auch, einfach unter deinem Kommentar nochmal nachsehen oder dich benachrichtigen lassen ;).