Freitag, 26. September 2014

~Eule rezensiert~ Es wird keine Helden geben von Anna Seidl

Titel: Es wird keine Helden geben
Autor: Anna Seidl
Genre: Jugendbuch
Seiten: 256
Preise: 14,95€ HC | 9,99€ Amazon Kindle
Verlag: Oetinger






 
Darum geht es:

Der 15-jährigen Schülerin Miriam passiert die absolute Katastrophe. Matias, ein Schüler aus ihrer Parallelklasse, läuft an ihrer Schule Amok und schießt wild um sich. Sie kann sich glücklicherweise in die Toilette retten, muss allerdings von dort wie erstarrt mit ansehen, wie ihr Freund Tobi auf dem Flur tödlich verletzt wird. Miriam überlebt die Katastrophe, aber ihr Leben ist von da an nicht mehr das selbe. Sie hat Albträume, vermisst Tobi schmerzlich und muss sich immer wieder fragen, ob sie und ihre Freunde den Amoklauf hätten verhindern können, wenn sie Matias anders behandelt hätten... Wie kann man weiter leben nach diesem Geschehen, mit all den Gefühlen und Gedanken die hinterher aufkommen?



So fand ich es:

Es ist schwierig bei einem solch empfindlichen Thema kritisch zu sein, aber das muss ich leider. Ich hatte von dem Buch ein bisschen mehr erwartet, es ließ sich zwar ganz gut lesen, aber ein paar Aspekte haben mich leider doch gestört.

Da wären zum Einen die Charaktere. Miriam verhält sich meiner Meinung nach extrem widersprüchlich. Mag sein, dass es daran liegt, dass sie eine pubertierende Jugendliche ist und eben dieses furchtbare Erlebnis mit dem Amoklauf hatte. Ich habe da natürlich – und ganz zum Glück – keine Erfahrung mit so etwas und ich kenne auch keinen, von daher kann ich auch nicht vergleichen, wie so jemand sich verhält. Dennoch hat ihr Verhalten mich gestört, weil sie mal arrogant und zickig war und dann wieder so verletzlich und voller tiefgründiger Gedanken. Und das Ganze dann halt sehr extrem und sehr wankelmütig. Sie war mir schlichtweg zu anstrengend und zu unnatürlich in all ihren Gedanken und Handlungen.
Die Nebencharaktere verblassen neben Miriam auch völlig. Ihre Eltern und Freunde wirken mehr wie Statisten und greifen nicht wirklich aktiv ins Geschehen ein. Miriams Gedanken und Gefühle und auch ihre Taten ihnen gegenüber sind größtenteils negativ, gerade gegenüber der Mutter, aber auch gegenüber der Freunde, was mich sehr überrascht und auch irgendwo gestört hat, weil ich das bis zu einem gewissen Grad nicht mehr realistisch fand. Sie bemüht sich in meinen Augen auch nicht sonderlich um den Erhalt ihrer Freundschaften, sie kämpft überhaupt nicht darum, dass sie gemeinsam mit ihren Freundinnen über das Geschehene reden kann und lässt einfach zu, dass alles auseinander driftet. Sie hat schon eine komische Art ihre Trauer und die Wut zu verarbeiten.

Denn darum geht es meiner Meinung nach auch Hauptsächlich. Nicht um den Amoklauf an sich sondern mit den Folgen. Und natürlich den Verlust von Miriams festem Freund Tobi und wie sie damit umgeht. Das ist an sich eine gute Idee und da hätte man sicherlich auch eine wunderschöne, traurige aber dennoch hoffnungsvolle Geschichte drüber erzählen können. Das ist der Autorin nur sporadisch gelungen, hauptsächlich wenn es um die Trauerbewältigung bei der Psychologin oder an Tobis Grab ging hat man gespürt, dass sich wirklich ernsthaft mit dem Thema auseinandergesetzt wird. Es gab durchaus Momente wo mich das Buch berührt hat, aber die waren leider zu selten. Das liegt zum Einen an den doch recht oberflächlichen Charakteren und zum anderen an der etwas holprigen Story, bedingt durch Ich-Erzählerin Miriam und ihre Sprunghaftigkeit.

Gerade die vereinzelt eingestreuten Flashbacks haben mir die Charaktere nicht unbedingt sympathischer gemacht, weil sie echt gemeine Sachen zu Matias gesagt haben. Miriam und ihre Freunde waren eben mobbende Oberzicken, die nur Sex, Parties und Saufen im Kopf hatten und bei denen Toleranz ganz sicher nicht an erster Stelle stand, das muss man halt einfach so sagen.
Das Oberflächliche und zickige bleibt irgendwie ein bisschen bestehen, auch wenn die Konsequenz aus ihrem Handeln damals natürlich eine schreckliche Folge hatte, die ich ihnen weiß Gott nicht gewünscht hätte. Einerseits hat Miriam Schuldgefühle und andererseits tut sie das Geschehene ab. Da wären wir wieder bei der Widersprüchlichkeit.

Der Schreibstil ist für ein Jugendbuch angemessen, literarisch nicht anspruchsvoll aber man kommt schnell und flüssig durch das Buch durch.


Mein Fazit:

Es wird mit dem Amoklauf ein ernstes und immer aktuelles Thema angesprochen, die Folgen eines solchen Traumas aufgezeigt und dessen Bewältigung, die dank Hauptperson Miriam aber leider ziemlich aus den Fugen gerät wie ich fand. Für Jugendliche die dieses Thema interessiert bestimmt ein gutes Buch. Allerdings haben die Charaktere nicht unbedingt Vorbildfunktion und sind auch nicht sehr ausgereift. Es hat mir dann hier und da doch einiges gefehlt, das Buch war zwar okay aber leider lief für meinen Geschmack nicht alles rund.


Meine Bewertung:
  • Cover: 3,5/5
  • Schreibstil: 3/5
  • Story: 3,5/5
  • Charaktere: 1,5/5

Ergibt eine Gesamtbewertung von 2,8 und aufgerundet:




Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hallo LeseEule!
Ich freue mich sehr auf deinen Kommentar, was auch immer du zu sagen hast: Raus damit! :D
Natürlich antworte ich dir auch, einfach unter deinem Kommentar nochmal nachsehen oder dich benachrichtigen lassen ;).