Montag, 29. September 2014

~Eule rezensiert~ Ich und die Menschen von Matt Haig

Titel: Ich und die Menschen
Englischer Titel: The Humans
Autor: Matt Haig
Genre: Roman
Seiten: 352
Preise: 14,99€ broschiert | 12,99€ Amazon Kindle
Verlag: dtv






 
Darum geht es:

Dem Mathematiker Professor Andrew Martin ist das gelungen, was schon so viele erfolglos versucht haben. Er hat ein bahnbrechendes mathematisches Rätsel gelöst, welches die Menschheit revolutionieren würde. Doch die Menschen sind brutal und egoistisch, jedenfalls denken die Vonnadorianer so. Ein hochintelligentes außerirdisches Volk, dem diese Entwicklung ein Dorn im Auge ist, denn die Menschheit hätte ihrer Meinung nach diesen wissenschaftlichen Sprung keineswegs verdient. Sie beschließen den Fortschritt zu verhindern und Andrew Martins Ergebnisse zu vernichten indem sich einer der Ihren Andrew Martins Körper bemächtigt und sich auf die Suche nach dessen Arbeit macht und eventuelle Mitwisser, wie die Familie und Kollegen des Professors, eliminieren soll. Doch ganz zum Erstaunen der außerirdischen Präsenz empfindet er die Menschen nach anfänglichen Schwierigkeiten als immer weniger schlimm, er beginnt sogar ihre Lebensweise zu respektieren und das Gute in ihnen zu sehen.
Doch kann er die Ausführung seines Auftrages jetzt noch verhindern?


So fand ich es:

Ein wirklich sehr rührendes, wahrhaftiges und wunderschönes Buch mit nur kleinen Schwächen. Im Großen und Ganzen hat es mir sehr gut gefallen und ich konnte mich richtig schön in die Geschichte fallen lassen.

Der Einstieg in das Buch ist noch sehr skurril und witzig gehalten, der Außerirdische muss sich als Mensch auf der Erde zurecht finden und das mit den ganzen Vorurteilen die er über sie hat. Diesen kritischen Blick auf unsere Spezies fand ich persönlich sehr amüsant und mit vielem hat er ja auch einfach recht. Leider. Hier zwei Zitate, die ich sehr passend finde:

"Die Erde war, wie mir später klar wurde, ein Planet der verpackten Dinge. Nahrung in Folie. Körper in Kleidung. Verachtung in Lächeln. Alles war verpackt." Seite 27

"Manche Menschen mochten Gewalt nicht nur, sie dürsteten danach, das hatte ich bereits gesehen. Nicht weil sie sich nach Schmerzen sehnten, sondern weil sie einen Schmerz in sich trugen, von dem sie sich durch eine andere Art von Schmerz ablenken wollten." Seite 228

Doch mit dem Fortgang der Geschichte werden nicht nur immer mehr Gegebenheiten aus Andrew Martins Leben aufgewühlt sondern auch die Gedanken des Aliens werden tiefgründiger, bewegender und sogar zunehmend menschlicher. Die Tatsache, dass ihn natürlich alle für den echten Andrew Martin halten - der zwar einen psychischen Zusammenbruch erlitten hat da er des nachts nackt auf der Autobahn aufgegriffen wurde, weil das Alien die Notwendigkeit von Kleidung noch nicht kannte – habe ich sehr spannend gefunden. Denn wie geht so ein völlig fremdes Wesen damit um, wenn es mit Dingen konfrontiert wird, die ja nun wirklich nicht sein Verschulden sind? Darum muss er sich ja zum Einen kümmern, was zwangsläufig dazu führt, dass er sich mit der Familie seines Wirtes auseinander setzen muss und gleichzeitig muss er an die Ausführung seines Auftrages denken, nämlich diese Menschen zu töten die etwas über die Formel wissen könnten. Eine verzwickte Situation die auch zu vielen gedanklichen Konflikten führt.

Der Hauptcharakter, also der Außerirdische, ist mir auch sofort ans Herz gewachsen. Sein Unwissen am Anfang war wirklich nur zu komisch und ich musste einfach mit dem armen Kerl mitfiebern. Auch, dass er Andrew Martins Fehler ausbaden musste, hat mir sehr leid getan und ich fand es wirklich rührend, wie er sich anschließend bemüht hat, alles irgendwie wieder in Ordnung zu bringen, trotz seines zweifelhaften Auftrages.
Die Nebencharaktere, Andrew's Familie, Kollegen und Freunde fand ich ebenfalls gut dargestellt. Und natürlich kommt auch ein Hund vor, ganz wichtig! ;)

Der Schreibstil des Autors hat mir auch sehr gut gefallen. Er ist nicht zu kompliziert und hat einen schönen Lesefluss garantiert, dennoch hat er eine gewisse Melancholie und Tiefe, aber auch viel Humor an den richtigen Stellen. Zwischendrin gab es nur leider eine kleine Durststrecke, die ich etwas langweilig fand und wo ich das Gefühl hatte, dass der schöne Lesefluss unterbrochen wird. Ich war da irgendwie raus. Das Ende hat mir aber wiederum gut gefallen. Allgemein gab es wirklich sehr schöne Sätze, Zitate und Gedanken die den Leser zum nachdenken anregen. Auch der Aufbau der Kapitel hat mir gut gefallen, denn meist gab es so kleine Sequenzen in denen der Außerirdische in Kontakt mit seinen Leute getreten ist bevor es dann mit den eigentlichen Entwicklungen auf der Erde weiter ging. Sehr schön fand ich auch die Liste zum Schluss mit Dingen, die der Außerirdische an den Sohn von Andrew Martin schreibt. Da sind so herrliche Sätze bei, die wir uns wirklich zu Herzen nehmen sollten.


Mein Fazit:

Eine wirklich berührende, schöne Geschichte über die Menschlichkeit mit einem Spritzer Humor. Mir hat das Buch gut gefallen und ich kann es auch bedenkenlos weiter empfehlen.

Höflichkeit ist oft Angst, Liebenswürdigkeit ist immer Mut. Aber es ist das Mitgefühl, das dich menschlich macht. Hab mehr Mitgefühl, und du wirst menschlicher.“ Seite 329


Meine Bewertung:
  • Cover: 5/5
  • Schreibstil: 4,5/5
  • Story: 4,5/5
  • Charaktere: 4,5/5

Ergibt eine Gesamtbewertung von 4,6 und aufgerundet:




Kommentare:

  1. Eine schöne Rezi! Ich fand das Buch auch wunderschön ♥

    Liebste Grüße, Aleshanee

    AntwortenLöschen
  2. Ich hatte das Buch schon mehrmals in der Hand, aber es klang mir dann doch etwas zu abgefahren und zu seltsam. Zwar denke ich, dass es wirklich interessant ist und sehr zum Nachdenken anregt, aber ich weiß nicht, ob ich mit der Grundidee zurecht kommen würde.
    Aber ich pack es mal auf meine Vielleicht-Wunschliste :)

    Liebe Grüße,
    Lyrica

    AntwortenLöschen

Hallo LeseEule!
Ich freue mich sehr auf deinen Kommentar, was auch immer du zu sagen hast: Raus damit! :D
Natürlich antworte ich dir auch, einfach unter deinem Kommentar nochmal nachsehen oder dich benachrichtigen lassen ;).