Sonntag, 18. Januar 2015

~Eule rezensiert~ Der Winterpalast von Eva Stachniak

Titel: Der Winterpalast
Band 1 von 2
Autor: Eva Stachniak
Genre: Historischer Roman
Seiten: 545
Preise: 9,99€ TB | 9,99€ Amazon Kindle
Verlag: Insel Verlag






Sie ist wie Opium, die Macht, all das zu wissen, von dem andere glauben, es sei ihr Geheimnis.“ (Pos. 782-83)

Die Leute glauben, sie können sich hinter ihren Gesichtern verstecken, sie könnten sie bliebig formen wie Masken für einen Ball. Sie hoffen, ihr eilfertiges Lächeln oder ihr stolzer Blick verriete nicht die Gedanken und Gefühle, die sie lieber für sich behalten wollen.“ (Pos. 1.025-27)


Darum geht es:

1743 kommt die junge Warwara mit ihrem Vater von Polen nach Russland. Er erhofft sich dort mehr Arbeit als Buchbinder und kann bald den ersten Kontakt zum russischen Zarenhof knüpfen, indem er Bücher für die Zarin restauriert. Als er stirbt, bekommt Warwara eine Anstellung als Bedienstete im Palast. Der Start in ihr neues Leben fällt ihr Anfangs sehr schwer, doch schon bald eröffnet ihr der Kanzler Bestuschew ungeahnte Möglichkeiten. Er bildet sie zu einer Spionin aus, die lernt, geheime Blicke und Botschaften zu deuten und bespitzelt für Zarin Elisabeth deren Hofstaat, deckt Intrigen auf und streut gemeinsam mit Bestuschew ihre eigenen Intrigen. Doch dann wird beschlossen, dass der Großfürst und zukünftige Zar Peter mit der deutschen Prinzessin Sophie von Anhalt-Zerbst verlobt werden soll. Schon bald wird die junge Prinzessin an den Hof geholt und Warwara hat zum ersten Mal das Gefühl, dass sie mit dieser Person wirklich befreundet sein will. Sie gerät in einen Zwiespalt. Zu wem soll sie halten? Zur amtierenden Zarin Elisabeth, die alle Fäden der Macht hält oder zu ihrer Freundin Sophie, die nach einer orthodoxen Taufe in Katharina umbenannt wird, und die so viel Ungerechtigkeit über sich ergehen lassen muss?


So fand ich es:

Ich hatte mir anfangs einiges von dem Buch versprochen. Geheime Gänge, Intrigen, Spione unter den Dienern, das pompöse, russische Zarenreich: Alles Dinge aus denen man eine großartige Geschichte spinnen könnte. Leider war das Buch letztendlich aber eine Enttäuschung, weil nur zum Teil gehalten wurde, was der Klappentext verspricht.

Der Leser erlebt die Geschichte aus Sicht von Warwara, die uns an den russischen Zarenhof und in den Winterpalast mitnimmt. Man erlebt mit ihr die Intrigen und politischen Ränke die geschmiedet werden, den Aufstieg und Fall der Regenten. Man spürt schon die Anspannung die herrscht, wie geschickt die Spione ihre Informationen platzieren müssen oder können um einen bestimmten Einfluss auf das Geschehen zu haben und die Geschicke in eine bestimmte Richtung zu lenken, was sie selbst für brisante Informationen aufschnappen, die Tratscherei und Lästerei des Hofstaats und des Volkes. Wie die kleine Katharina letztendlich zu Katharina der Großen wird und was sie dafür alles auf sich nehmen muss. Das Angesprochene kam auch so im Buch vor und wäre für mich eine Steilvorlage für eine super spannende, atemraubende Story gewesen. Aber die Umsetzung ist mehr schlecht als recht. Der Schreibstil und der Ablauf lassen leider nicht zu, dass Spannung aufkommt.

Zuerst einmal fand ich es sehr befremdlich einen historischen Roman aus der Ich-Perspektive zu lesen. Vielleicht weil ich vorher noch nie einen aus dieser Perspektive gelesen habe, aber für meinen persönlichen Geschmack hat das einfach nicht gepasst, auch wenn ich mich später daran gewöhnt hatte. Ich will nicht sagen, dass der Schreibstil unbeholfen ist, aber er hat es einfach nicht geschafft einen Spannungsbogen zu erzeugen. Die Geschichte plätscherte nur so vor sich hin. Immer wenn ich dachte, dass es jetzt richtig los geht, war der Moment auch schon wieder vorbei. Man wird als Leser nicht in das Buch hineingezogen, nicht von der Geschichte gefesselt, man bleibt unbeteiligter Beobachter und betrachtet alles mit großer Distanz zu dem Geschehen und auch zu den Charakteren.

Obwohl wir ja Warwara durch das Buch begleiten, bleibt sie und auch die anderen Charaktere seltsam flach. Auch hier schafft die Autorin es nicht, den Leser mit dem Schicksal ihrer Protagonisten zu berühren und mit ihnen mitfiebern zu lassen. Ich habe keinen Zugang zu Warwara oder Katharina bekommen können, die Tiefe und die Emotionen waren einfach nicht intensiv genug dargestellt.

Da reichte es dann auch nicht mehr, dass die historischen Fakten gut recherchiert sind, denn deswegen wollte ich das Buch nicht in erster Linie lesen, sondern weil ich mir spannende und abwechslungsreiche Unterhaltung davon versprochen hatte. Zwischenzeitlich fand ich das Buch ganz in Ordnung, es gab ein paar Stellen, die ich ganz interessant fand und mir hat es gefallen etwas über die historischen Persönlichkeiten in dem Buch zu erfahren. Die erste Hälfte kam ich auch noch ganz gut durch, aber irgendwann geriet ich ziemlich ins stocken weil es so monoton blieb. Es ist nicht alles schlecht an diesem Buch, versteht mich nicht falsch. Aber ich habe eben nicht das Gefühl, etwas besonderes gelesen zu haben. Das zweite Buch 'Die Zarin der Nacht' werde ich wohl nicht mehr lesen.


Mein Fazit:

Bei diesem Buch verspricht der Klappentext mehr als die Story letztendlich halten kann, was mich schon etwas enttäuscht hat. Alles bleibt so unnahbar und in gleichbleibendem Tempo, was einfach keine Spannung aufkommen lassen will. Der Zugang zu den Protagonisten bleibt dem Leser verwehrt. Das Buch ist in Ordnung für zwischendurch und wenn man sich für diesen Teil der historischen Geschehnisse interessiert, aber es ist kein literarisches Meisterwerk.


Meine Bewertung:
  • Cover: 4,5/5
  • Schreibstil: 1,5/5
  • Story: 2,5/5
  • Charaktere: 2/5

Ergibt eine Gesamtbewertung von:




Kommentare:

  1. Oh, also nicht so toll? Dann wird das mal ganz schnell von meiner WuLi gestrichen... Es war nie drauf ^^

    Liebe Grüße,

    Elisa von Versgeflüster

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    1. Ist natürlich nur mein Eindruck jetzt ;). Aber empfehlen würde ich es wirklich eher nicht...

      LG Insi

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  2. Menno. Ich höre von dem Buch wirklich nur negative Meinungen. Also es ist jetzt nicht so, dass ich total darauf fliege, aber da ich ja vorhabe dieses Jahr ein paar mehr Historische Romane zu lesen, hatte ich das ab und an im Hinterkopf, weil mich die Thematik und die Länderauswahl interessieren. Dann wohl eher nicht^^

    Liebe Grüße,
    Lyrica

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    1. Die Länderauswahl und die Thematik hat mir an sich auch gut gefallen, aber es ist eben Schreibtechnisch überhaupt nicht gut umgesetzt worden, meiner Meinung nach :(.
      Ich habe noch einen historischen Roman (Schrägstrich Wälzer) auf dem SuB liegen, von dem ich mir viel verspreche :). Ich will ja auch wieder mehr historisches lesen.

      LG Insi

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  3. Eine wirklich tolle Rezi! Sehr gut beschrieben und genau das, was ich an Büchern gar nicht mag.
    Ich war ja bei dem Cover schon eher abgeneigt, weil ich da schon so eine Meinung hatte, wie es sein könnte - ich hab mich getäuscht, aber es ist trotzdem gar nicht mein Fall. Grade dieses dahinplätschern einer Geschichte kann schon sehr langweilig sein.

    Ich hoffe, dein nächstes wird besser ;)

    Liebste Grüße, Aleshanee

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    1. Dankeschön <3 :D
      Ja ab einem gewissen Punkt war es wirklich langweilig und dadurch auch zäher...

      Das hoffe ich auch ^^.

      LG Insi

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