Donnerstag, 5. März 2015

~Eule rezensiert~ Der Chronist der Winde von Henning Mankell

Titel: Der Chronist der Winde
Autor: Henning Mankell
Genre: Zeitgenössische Literatur
Seiten: 272
Preise: 8,90€ TB | 9,99€ Amazon Kindle
Verlag: Paul Zsolnay Verlag







"Ein Pfad von dem man geträumt hat und der einen Menschen zum rechten Ziel führen soll, kann nicht in der Nähe liegen, [...] Was wichtig ist, ist immer schwer zu finden." (Seite 76)


Darum geht es:

José Antonio Maria Vaz, ein einfacher Bäcker mitten in Afrika, findet eines Tages den Straßenjungen Nelio in einem alten Theater. Angeschossen und blutend liegt er da. José beschließt den Jungen mitzunehmen und pflegt ihn auf dem Dach der Bäckerei in der er arbeitet. Während er das tut, erzählt Nelio ihm seine Geschichte. Eine Geschichte von der Vertreibung aus seinem Heimatdorf, den Verlust seiner Eltern und Geschwister, einer tagelangen Wanderung bis in die Stadt und dem anschließenden entbehrungsreichen Leben in einer Gruppe von Straßenjungen. Neun Tage hat Nelio dafür Zeit. Neun Tage bis er stirbt und in denen er um sein Leben erzählt.


Meine Meinung:

Es fällt mir absolut nicht leicht dieses besondere Buch zu rezensieren. Allein schon wegen des wirklich bedrückenden Themas, das mich mehr als ein mal hat schlucken lassen. Aber da sich zwei meiner lieben LeseEulchen eine Rezension gewünscht haben, schreibe ich trotzdem gerne eine.

Das Buch beginnt damit, dass wir José kennen lernen und seinen Arbeitsplatz, die Bäckerei. Er erzählt ein bisschen was aus seinem Leben, dem seiner exzentrischen Chefin und den politischen Umständen in seiner afrikanischen Heimat. Wobei ich mich nicht entsinnen kann, welche Region das genau sein soll. Vielleicht wurde es ja erwähnt und ich erinnere mich nur nicht... Jedenfalls braucht man für den Einstieg und bis die Geschichte so richtig los geht ein wenig Ausdauer, denn es wird erst mal viel Hintergrundwissen geliefert, ob nun wichtig oder nicht, muss dann jeder für sich selbst entscheiden. Ich fands ein bisschen langweilig, auch wenn mir José durchaus sympathisch war.

Aber als der kleine Nelio dann ins Spiel kommt und beginnt seine Geschichte zu erzählen, da hat mich das Buch dann komplett für sich einnehmen können. Vieles was Nelio schildert, gerade die Vertreibung aus seinem Dorf, die Trennung von seiner Mutter, die Ermordung seiner Schwester, die er mit ansehen musste: Das war schon ganz schön brutal und ich war wirklich fassungslos was einige Menschen wirklich zu tun bereit sind, aus irgendwelchen fadenscheinigen Gründen und Ansichten, wo ich nicht nachvollziehen kann, welchen Sinn solche Brutalitäten haben sollen. Auch das man bereits von Anfang an weiß, dass Nelio - mit dem man als Leser wirklich mitleidet - definitiv sterben wird, macht es nicht unbedingt leichter.

Das ganze Buch über bleibt diese bedrückende Stimmung bestehen, wenn auch streckenweise nur unterschwellig. Ein wenig lockert es auf, als Nelio erzählt wie er in die Stadt kommt und sich einer Gruppe von Straßenkindern anschließt, die es faustdick hinter den Ohren haben. Aber auch hier kippt die Stimmung wieder sehr schnell und der Überlebenskampf der Kinder wird immer greifbarer für den Leser, der nur fassungslos vor dem Buch hocken kann. Die Geschichte nimmt zum Ende wieder eine sehr traurige Wendung, die mich echt fertig gemacht hat. 

Der Schreibstil des Autors hat mir sehr gut gefallen, man merkt schon, dass er ganz bewusst diese schwere Atmosphäre kreiert hat und das ist ihm auch wirklich sehr gut gelungen wie ich finde. Der Schreibstil ist flüssig, tiefgründig und poetisch. Er verleiht dem kleinen Nelio eine würdevolle Stimme. 


Fazit:

Kein Buch für schwache Nerven. Zeigt aber meiner Meinung nach auf sehr poetische Weise das schwere Leben der ärmeren Bevölkerung in Afrika und natürlich auch besonders das Schicksal der Straßenkinder. Die Eule die ich hier abziehe, liegt ganz allein an meinem persönlichen Gefühl während des lesens, ohne dass ich es gut in Worte fassen könnte. Es ist nicht einfach, dieses Buch zu bewerten. Wer sich gerne auch mal an harte Kost wagt und sich für das Thema bzw. für die bewegende Geschichte des kleinen Nelio interessiert, dem kann ich dieses Buch aber sehr empfehlen.




Meine Bewertung:
  • (Cover: 3/5 )
  • Schreibstil:4,5/5
  • Story:4/5
  • Charaktere:4,5/5
  • Atmosphäre:4,5/5

Ergibt eine Gesamtbewertung von:






Kommentare:

  1. Puh, das Buch klingt wirklich sehr, sehr bedrückend. Zumal das ja auch alles einen wahren Kern hat, was das Gefühl beim Lesen nicht unbedingt besser macht. Aber es ist wichtig, dass es solche Bücher gibt, die darauf aufmerksam machen.
    Eine sehr schöne und einfühlsame Rezension! :)

    Liebe Grüße,
    Lyrica

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    1. Ich danke dir :)
      Finde ich auch richtig und gut, dass es solche Bücher gibt. Man muss nur den Mut finden sie auch zu lesen, trotz des schweren Themas.

      LG Insi

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