Dienstag, 14. Juli 2015

~Eule rezensiert [kurz]~ Der große Trip von Cheryl Strayed





Titel: Der große Trip
Originaltitel: Wild
Autor: Cheryl Strayed
Genre: Erfahrungsbericht
Seiten: 448
Erschienen am: 12.01.2015
Verlagslink: Goldmann 





 
Großer Trip, kleiner Flop
  



So fand ich es:

Ich glaube, worum es in diesem Buch geht hat so gut wie jeder bereits mitbekommen, allein durch den Film, der ja vor noch nicht so langer Zeit im Kino lief.

Kurz gesagt: Es geht um Cheryl die mit 26 bereits in einer Art Lebenskrise steckt und beschließt den Pacific Crest Trail, kurz PCT, zu bewandern, um wieder zu sich zu finden und mit sich und ihrer Vergangenheit ins Reine zu kommen. Und Cheryl ist nun wirklich kein unbschriebenes Blatt. Da gab es einen alkoholkranken, prügelnden Vater, Drogenmissbrauch, eine gescheiterte Ehe, viele verschiedene Liebhaber und nicht zu Letzt den Krebstod ihrer Mutter. 
Also begibt sie sich auf einen 100 tägigen Wandertripp durch verschiedene Bundesstaaten der USA, durch Wüste, Berge, Schnee usw. und das alles ganz auf sich allein gestellt mit einem riesigen Wanderrucksack auf dem Rücken. 

Die Thematik an sich fand ich echt spannend und Cheryls Entschluss auch ziemlich mutig. Ich weiß nicht ob ich das könnte, so lange allein durch die Wildnis zu laufen. 
Was auf jeden Fall gut war: Man hat etwas übers Wandern, die verschiedenen Landschaften und das Überleben allein in der Wildnis erfahren können, so wie ich es mir auch vorgestellt hatte. Das es natürlich hauptsächlich um Cheryl und die Verarbeitung ihrer Probleme geht, war mir klar und sollte auch jedem klar sein, der sich dieses Buch zur Hand nimmt. Das Ganze ist eben nur zu einem Teil ein interessanter Reisebricht. 

Allerdings hatte ich mir Cheryl nicht so vorgestellt. Natürlich macht sie eine Entwicklung durch und findet auch in gewissem Maße zu sich, aber ich hatte mir das Ganze noch etwas tiefgründiger vorgestellt. Die Schilderungen über ihre Vergangenheit haben mich zwar echt erschreckt, allerdings eher im negativen Sinne und ich konnte irgendwie auch kein Mitleid für diese Frau empfinden. Je mehr sie erzählte, desto distanzierter wurde ich ihr gegenüber. Ich konnte die ganzen Entscheidungen in ihrem Leben einfach nicht nachvollziehen. Menschen machen Fehler, darum geht es ja auch in diesem Buch. Aber diese sich selbst bemitleidende und ständig Sex haben wollende Frau war einfach niemand mit dem ich mich identifizieren konnte. Teilweise war sie mir echt zu oberflächlich und da waren Szenen beschrieben, zum Beispiel eine Situation mit dem Pferd ihrer Mutter, da hätte ich meinen Kindle am liebsten an die Wand geschmissen, so sehr hat es mich angewidert...

Und so hat das Buch es leider nicht geschafft mich komplett mitzureißen, denn dafür muss man meines Erachtens mit Cheryl mitfiebern können und ganz bei ihr sein. Was bei mir eben leider nicht der Fall war, denn ich mochte ihren Charakter schlichtweg nicht. Es gab zwar auch immer mal wieder Situationen, da habe ich ein wenig mit ihr mitleiden können, wenn es zum Beispiel um die körperlichen Zipperlein vom Wandern ging und wenn sie sich mal wieder über ihre schmerzenden Füße beklagt. Also alles was mit dem Trail zu tun hat und auf dem Trail passiert ist, hat mir grundsätzlich gut gefallen (bis auf die Männergeschichten, die ich echt schrecklich fand). Aber wenn es um Cheryl selbst und ihre Vergangenheit ging hielt sich die Bergeisterung leider sehr in Grenzen. 


Mein Fazit:

Nein, das war wohl einfach nicht mein Buch bzw. meine Protagonistin. Die Story und die Erfahrungen auf dem PCT an sich, haben mir zwar gefallen und sind auch wunderbar geschildert worden, aber Cheryl war mir viel zu oberflächlich und einfach nicht mit mir auf einer Wellenlänge. Viele vergleichen dieses Buch ja mit 'Ich bin dann mal weg' von Hape Kerkeling und ich muss sagen, dass ich dem nicht zustimmen kann. Ich finde Hape Kerkeling und sein Buch großartig, sehr viel herzlicher und authentischer als dieses hier. Cheryls großer Trip hat mich leider vergleichsweise kalt gelassen.

 
Meine Bewertung:

  • (Cover: 4/5)
  • Schreibstil: 4/5
  • Story: 2,5/5
  • Charaktere: 1,5/5
  • Atmosphäre: 3,5/5

Ergibt eine Gesamtbewertung von:



Kommentare:

  1. Hallo Insi!

    Oh, das Buch sagt mir nix und auch von dem Film hab ich nichts mitbekommen O.O
    Ist anscheinend ja auch nicht schlimm *g* So eine Protagonistin kann schon sehr nervig sein, vor allem, wenn sie sich auch noch ins negative entwickelt :/ Deine Bemerkung über "ständig Sex haben wollen" und die "Situation mit dem Pferd ihrer Mutter" haben mich grad etwas irritiert *lach* aber ich hoffe mal, da gibt es keinen Zusammenhang ^^

    Die Infos zum Wandern finde ich auch sehr interessant, so einen Trip habe ich mir ja auch schon lange vorgenommen, ob ich das irgendwann mal durchziehen werde, steht allerdings in den Sternen. Schade, dass es dann doch nichts besonderes war.

    Liebste Grüße, Aleshanee

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    1. Hahaha xD
      Nein das eine hat nichts mit dem anderen zu tun! xD ;)
      Ich kann es ja mal eben erzählen, bevor es hier noch mehr zu Irritationen kommt: Es gibt eine Szene in der das Pferd ihrer Mutter schon alt und krank ist, das Ganze ist dann ein paar Jahre nach deren Krebstot. Keiner fühlt sich irgendwie für das Tier verantwortlich und Geld für einen Tierarzt um es einschläfern zu lassen hat keiner. Also kommt Cheryl dann auf die glorreiche Idee, ihr Bruder könnte das Pferd erschießen. Ein sauberer Kopfschuss, so glaubt sie, und das Pferd ist tot. Kommt dann aber ganz anders. Der Bruder ballert drauf los und das Pferd will und will nicht umfallen, es steht da weiter mit was weiß ich wie vielen Einschusslöchern im Kopf und stirbt dann letztendlich viel langsamer und qualvoller als gedacht. Und das fand ich echt grausam und Cheryl hätte ich da am liebsten nehmen und mit dem Kopf gegen die Wand schlagen wollen v_v'.

      Den Trip an sich fand ich auch toll und sehr interessant. Da bekommt man schon Lust sowas auch mal zu versuchen ^^. Auch wenn ich auf die geschwollenen Füße und die Druckstellen keine Lust hätte xD. Aber man gewöhnt sich ja mit der Zeit ans Wandern ^^.
      Ich drücke dir die Daumen, dass du es irgendwann mal schaffst, auch wenn vielleicht nicht in nächster Zeit. Aber irgendwann bestimmt ;D.

      LG Insi

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  2. Genau diesen Eindruck hatte ich auch von dem Filmtrailer bekommen, weshalb mich das Buch nicht angesprochen hat, obwohl ich die Reisethematik sehr cool finde. Leider bestätigst du meine Zweifel durch deine Rezension :(

    Schade, dass dir das Buch nicht gefallen hat.

    Liebe Grüße,
    Lyrica

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