Dienstag, 6. Oktober 2015

~Eule rezensiert~ Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki von Haruki Murakami





Titel: Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki
Autor: Haruki Murakami
Genre: Belletristik
Seiten: 318
Erschienen am: 13.07.2015 (erstmals 09.01.2014)
Verlagslink: btb






 
Farbloser Herr Tazaki ist farblos. 


Darum geht es:

Tsukuru Tazaki hat vier allerbeste Freunde mit denen er viel unternimmt, alles macht die Clique gemeinsam. Der einzige Unterschied von Tsukuru zu seinen Freunden ist die, dass er sich im Gegensatz zu ihnen für sehr durchschnittlich oder gar langweilig hält. Seiner Meinung nach wird das noch dadurch betont, dass seine vier Freunde jeder eine Farbe in ihrem Namen tragen, nur Tsukuro selbst ist farblos. Dennoch ist er froh, Teil dieser Gruppe zu sein. Als es jedoch an die Zukunftsplanung geht und Tsukuru als Einziger seinen Heimatort verlässt um in Tokio zu studieren, wird es immer schwieriger die Freunde zu sehen. Bis zu seinem 2. Studienjahr klappt es aber noch recht gut und Tsukuru freut sich immer sehr nach Haus zu kommen. Doch in besagtem 2. Studienjahr bekommt er plötzlich einen Anruf von einem seiner Freunde mit der Ansage, sich bitte nie wieder bei einem von ihnen zu melden, denn sie wollen nichts mehr mit ihm zu tun haben. Tsukuru fällt aus allen Wolken, denn er weiß überhaupt nicht warum sie ihn plötzlich schneiden und keiner verrät es ihm. Zu Tode betrübt und von düsteren Gedanken beseelt bleibt er fortan auch über die Ferien in Tokio.

16 Jahre später, als Tsukuru bereits mitte 30 ist, erzählt er zum ersten Mal seiner Freundin Sara von dem Vorfall. Diese rät ihm dazu, endlich mit der Vergangenheit abzuschließen und um das zu tun, muss er sich ihr stellen.


So fand ich es:

Schon sehr lange wollte ich mal ein Buch von Haruki Murakami lesen, weil seine Bücher ganz speziell und damit etwas Besonderes sein sollen. Das es jetzt dieses Buch geworden ist, als mein erstes von ihm, war allerdings eher Zufall. Irgendwo muss man ja auch mal anfangen, nicht wahr? Und die Geschichte klingt für mich geheimnisvoll aber auch so, dass man viel daraus mitnehmen könnte.

Ich muss allerdings sagen, dass ich ein wenig zwiegespalten bin. Es waren auf jeden Fall tolle Ansätze da, gerade der Einstieg war sehr bewegend und hat von vornherein eine schwere, melancholische Atmosphäre entworfen. Aus persönlichen Erfahrungen weiß ich, wie es ist von Menschen gemieden zu werden, von denen man dachte sie sind die besten Freunde. Von daher konnte ich mich sehr gut in Tsukuru hinein versetzen und habe sehr mit ihm zusammen gelitten. Und natürlich wollte ich dann auch wissen, wie es zu diesem Vorfall kam, was man ja Anfangs so gar nicht erfährt und erst zusammen mit Tsukuru 16 Jahre später entdecken muss. Allerdings war es manchmal auch etwas schwierig mit ihm. Dass er sich einfach so in sein Schicksal begibt und selbst nach ein paar Tagen Bedenkzeit überhaupt nicht auf die Idee kommt der Sache direkt auf den Grund zu gehen, war befremdlich. Das es dafür 16 Jahre braucht bis er tiefer bohrt, fand ich schon etwas unrealistisch. Ansonsten kommt Tsukuru aber tatsächlich eher farblos daher und mit seinem erwachsenen Ich konnte ich auch nicht so recht warm werden. Vielleicht liegt das auch an der japanischen Kultur, da herrscht im Vergleich zu uns einfach merklich mehr Distanz zwischen den Menschen. Das war allerdings auch wiederum ein positiver Punkt für mich, über Kultur und Japan an sich, etwas zu erfahren. Auch wenn es da ruhig noch mehr hätte sein können.

Die Träume die Tsukuru zeitweise heimsuchen fand ich ebenfalls echt seltsam und weiß bis jetzt nicht, was ich von ihnen halten soll oder was sie mir als Leser sagen sollen. Und auch die vielen sexuellen Anspielungen des Autors fand ich relativ plump und einfach unpassend. Ich weiß nicht, ob das in Murakamis Büchern immer so ist, gefallen hat mir das jedenfalls nicht. Ansonsten ließ sich das Buch aber wunderbar lesen. Man merkt zwar schon, dass der Schreibstil etwas gehobener daher kommt, trotzdem ist ein guter Lesefluss gegeben und man fühlt sich gut unterhalten und an vielen Stellen berührt einen die Geschichte auch unweigerlich. 

Den Haupthandlungsstrang, nämlich die Suche von Tsukuru nach dem Grund für den Bruch in der Clique, fand ich auch wirklich gut ausgearbeitet und spannend. Auch wie Tsukuru sein Leben bisher verbracht hat, hat mich noch interessiert folgen lassen. Allerdings gab es auch ein paar Nebenschauplätze, die ich jetzt nicht so interessant fand und wo sich der Autor in meinen Augen etwas zu sehr in Belanglosigkeiten verloren hat. Hier und da konnte ich zwar die ein oder andere Anspielung erkennen und vieles bleibt eben auch einfach der Fantasie des Lesers überlassen, aber irgendwie hatte ich mir doch etwas mehr erwartet.  Zum Glück wurden die für mich wichtigsten Fragen geklärt. Ein offenes Ende gab es aber tatsächlich, das ist sicherlich Geschmackssache. 


Mein Fazit:

Ich hatte mich sehr auf dieses Buch gefreut und wurde in meiner Erwartung leider ein kleines Bisschen enttäuscht. Es war nicht schlecht, die Geschichte hat viele bewegende, tiefgründige Aspekte, der Schreibstil ist angenehm, die Fantasie des Lesers wird gefragt und es gibt eine interessante Suche in der Vergangenheit einer Freundschaft. Aber auf der anderen Seite gab es auch so manche Dinge, die mich verwirrt zurück gelassen haben und mit denen ich einfach nichts anfangen konnte. Viel mitnehmen konnte ich aus dieser Geschichte letztendlich auch nicht. Trotzdem werde ich es bestimmt nochmal mit einem anderen Buch des Autors versuchen. 


Meine Bewertung:


  • (Cover: 4/5)
  • Schreibstil: 4/5
  • Story: 3,5/5
  • Charaktere: 2,5/5
  • Atmosphäre: 4/5

Ergibt eine Gesamtbewertung von:




Kommentare:

  1. Huhu!

    Eine sehr aufschlussreiche Rezension hast du geschrieben!

    So ähnlich ging es mir auch, als ich mir letztes Jahr das erste Mal einen Murakami ausgeliehen hatte. Ich habe zusätzlich auch noch den Fehler begangen, ein 1000-Seiten-Buch anzufangen, sodass bei mir recht schnell der Geduldsfaden riss und ich das Buch zurückgab, bevor ich es fertig gelesen habe ^^.
    Vermutlich liegt es wirklich an der anderen Kultur, die uns manchmal sehr fremd und eigenartig vorkommt, aber auch am literarischen Interesse, das dort vermutlich ganz anders ist. Allein schon die Sprache und die Stilmittel sind so unterschiedlich, dass man sie bestimmt auch anders wahrnimmt.

    liebe Grüße
    Emilie
    www.blaetterwind.blogspot.de

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    1. Dankeschön liebe Emilie :D

      Ui, also bei einem 1000-Seiten Buch von Murakami hätte ich bestimmt auch so meine Probleme... Selbst jetzt nachdem ich nun was von ihm gelesen habe und weiß wie er schreibt, bin ich da noch sehr skeptisch. Ich kann verstehen, dass du es abgebrochen hast ^^'.

      Klar, das ist sicherlich ein Grund :). Einerseits ist das ja interessant, aber auf der anderen Seite eben auch sehr befremdlich für kulturfremde Menschen ;).

      LG Insi

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