Sonntag, 14. Mai 2017

~Eule rezensiert~ Die dunklen Mauern von Willard State




Die dunklen Mauern von Willard State von Ellen Marie Wiseman
(engl.: What she left behind)
übersetzt von Sina Hoffmann
Familiengeschichte auf 2 Zeitebenen
464 Seiten
Erschienen am 09.11.2015 bei Piper

 

Zehn Jahre ist es her, dass eine schicksalhafte Nacht für Izzy Stone alles veränderte: Ihre Mutter erschoss ihren Vater während er schlief. Seitdem lebt die nun 17-Jährige bei Pflegefamilien. Als sie für ein Museum Gegenstände ehemaliger Insassen der alten und berüchtigten psychiatrischen Anstalt Willard State Asylum katalogisiert, stößt sie auf einen Stapel ungeöffneter Briefe und das alte Tagebuch einer gewissen Clara Cartwright. Je mehr sie über Claras Leben in Erfahrung bringt, desto mehr klären sich auch die Rätsel ihres eigenen Lebens... (Klappentext laut Verlag)



Das Büchlein verweilte nun schon ein paar Monate auf meinem SuB und als ich es letztens mal wieder in der Hand hatte, habe ich mich endlich dazu entschlossen es zu lesen. Nicht zuletzt, weil viele sehr angetan davon waren und ich sowieso endlich mal etwas in diesem Genre lesen wollte. Und ich glaube, das war auch nicht das letzte Buch zu dem ich in dieser Sparte gegriffen habe.

Wie es oben bei den Fakten bereits steht, spielt die Geschichte auf zwei Zeitebenen. Einmal befinden wir uns bei Clara im Jahre 1929, einer jungen Frau, die unter den Vorgaben und Bestimmungen ihrer Eltern leidet und gerne eigene Entscheidungen treffen würde. Dies bringt ihr letztendlich aber nur Ärger ein und sie findet sich hinter den Mauern der psychiatrischen Anstalt Willard State wieder. Jahre später, nämlich im Jahr 1995, findet die junge Izzy bei ihrem Job im Museum Claras Tagebücher. Sie versucht auf Claras Spuren zu kommen, hat dabei aber auch sehr mit sich und ihrem eigenen Leben zu kämpfen.

Beide Frauen sind auf ihre Art interessant und haben mich mit ihren Geschichten gefesselt. Wobei Clara deutlich mehr meine Aufmerksamkeit fesseln konnte als Izzy. Auch wenn beide Schicksale gewiss nicht leicht zu verdauen sind, so hat mich die Tatsache, dass Clara zu Unrecht in eine Psychiatrie, auch noch zu der Zeit, eingesperrt war und irgendwie klar kommen musste, viel mehr fasziniert hat. Das war schon ziemlich heftig zu lesen, denn es geht nicht gerade zimperlich zu, wie man sich vorstellen kann. Die Autorin weiß, wie man einen Leser einfängt und bei der Stange hält. Auch wenn der Einstieg noch ein wenig ruhig war, so hat man sich mit der Zeit immer mehr in die Geschichte eingefunden. Dabei ist der Schreibstil unkompliziert und schnörkellos und man kann den Geschehnissen leicht folgen.

Allgemein ist die Stimmung im Buch eher düster und ständig schwingt ein kleiner Hauch von Verzweiflung und Ausweglosigkeit mit. Wenn man gerade sowieso in einer etwas gedrückten Stimmung ist, muss man sich darauf gefasst machen, dass es einen noch etwas weiter runter zieht. Aber ansonsten ist es auch von der Atmosphäre gut gelungen und man bekommt ein gutes Gefühl für die Situationen der beiden Frauen.

Wie das ganze dann letztendlich aufgelöst wurde und wie die zwei Handlungsstränge zusammen liefen, hat mir leider nur bedingt gefallen. Es war ganz nett, aber für meinen Geschmack ein wenig zu kitschig, wenn man es mit den vorherigen Ereignissen vergleicht. Aber insgesamt hat es durchaus ein rundes Bild ergeben. Das ist halt einfach Geschmackssache nehme ich an.


Eine fesselnde Geschichte die einen unweigerlich mitnimmt und sicherlich nicht kalt lässt. Bis auf ein paar klitzekleine Unstimmigkeiten fand ich es wirklich gelungen und habe es trotz der bedrückenden Thematiken, die hier zusammen kommen, gerne gelesen. Für Fans des Genres sicherlich ein kleiner Schatz.

  • (Cover: 4/5)
  • Schreibstil: 4,5/5
  • Story: 3,5/5
  • Idee: 4/5
  • Charaktere: 3,5/5
  • Atmosphäre: 4,5/5
    Ergibt eine Gesamtbewertung von:




Kommentare:

  1. Hallöchen Insi!

    Mal etwas ganz anderes, wie schön ♥

    Ich lese ja "Familiengeschichten" so gut wie gar nicht - eine psychatrische Anstalt und ein Mädchen, das zu Unrecht dort eingesperrt wurde: das klingt schon eher nach meinem Geschmack. Das hört sich jetzt komisch an oder? ^^ Aber wie du schon sagst, sowas fasziniert eben, weil es so unvorstellbar grausam war zu der damaligen Zeit. Wobei es heute schon auch kein Zuckerschlecken ist.

    Ein paar kleine Unstimmigkeiten stören ja nicht so sehr, aber wenn der Schluss nicht passt? Zu kitschig, hmmmm, das ist jetzt ein Punkt der mich schon etwas stört. Vor allem wenn es an sich ja eher düster ist denke ich auch, dass da ein anderes Ende vielleicht besser gepasst hätte.

    Auf jeden Fall vielen Dank für die tolle Vorstellung :)

    Liebste Grüße und einen wunderschönen Sonntag!
    Aleshanee

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hihi, ja, ich musste mal was Neues ausprobieren ;D.
      Überhaupt nicht komisch. Ich kann dich gut verstehen ^^. Wenn dieser Aspekt nicht gewesen wäre, hätte es mich wohl auch nicht so gereizt.

      Ich habe zu danken ♥
      LG Insi

      Löschen
  2. Hallo Insi,

    ich mochte das Buch auch sehr gern. Die Behandlung der Menschen in der Psychiatrie zur damaligen Zeit ist schon der Hammer! Es ist meiner Meinung nach wichtig, dass darauf immer wieder aufmerksam gemacht wird, damit man mit offenen Augen auf die Gegenwart schauen kann.

    Ehrlich gesagt, an das Ende kann ich mich gar nicht mehr erinnern. XD Ich weiß aber, dass mir der Izzy-Strang einen Spur zu überladen war.

    Liebe Grüße & einen entspannten Sonntag,
    Nicole

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja unglaublich nicht wahr? Wie unmenschlich es dort abging...

      Mit dem Izzy-Strang gebe ich dir Recht. Der war teilweise wirklich etwas to much.

      LG und vielen Dank ♥

      Löschen
  3. Hallo liebe Insi,
    ich habe das Buch vor etwas mehr als einem Jahr gelesen und mochte es echt gern.
    Zwar blieben auch für mich ein paar Sachen offen, aber ansonsten war es ein aufwühlender Roman. Die Nervenheilanstalt "Willard Asylum for the Insame" und auch die "vergessen Koffer" gab es ja tatsächlich und das machte das Ganze noch bewegender.
    Tolle Rezi !
    Liebste Grüße, Hibi

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ach, die gab es wirklich? Das ist total an mir vorbei gegangen ^^'. Aber danke, für die kleine Info ♥. Wenn man das weiß, gibt es der Geschichte in der Tat einen noch unheimlicheren und erschreckenden Touch.

      Vielen Dank ♥
      LG Insi

      Löschen

Hallo LeseEule!
Ich freue mich sehr auf deinen Kommentar, was auch immer du zu sagen hast: Raus damit! :D
Natürlich antworte ich dir auch, einfach unter deinem Kommentar nochmal nachsehen oder dich benachrichtigen lassen ;).