Sonntag, 8. Juli 2018

~Eule rezensiert~ Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden von Genki Kawamura







Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden von Genki Kawamura

(Engl.: If Cats disappeared from the World)
Übersetzt von Ursula Gräfe
Einzelband
Zeitgenössische Literatur / Parabel
192 Seiten
Erschienen am 23.04.2018 bei C. Bertelsmann







Ein junger Briefträger erfährt überraschend, dass er einen unheilbaren Hirntumor hat. Als er nach Hause kommt, wartet auf ihn der Teufel in Gestalt seines Doppelgängers. Er bietet ihm einen Pakt an: Für jeden Tag, den er länger leben möchte, muss eine Sache von der Welt verschwinden. Welche, entscheidet der Teufel. Der Briefträger lässt sich auf dieses Geschäft ein. Am Tag darauf verschwinden alle Telefone. Am zweiten Tag die Filme, am dritten alle Uhren. Als am vierten Tag alle Katzen verschwinden sollen, gebietet der Briefträger dem Teufel Einhalt. Und macht etwas völlig Überraschendes...
Der Titel und das Cover des Buches haben mich sofort neugierig gemacht. Allein das war eigentlich schon ein Kaufgrund, aber auch der Inhalt klang so interessant, dass ich das Buch einfach haben musste. Einzig der Preis bei diesem schmalen Büchlein, lässt einen zurückschrecken. Aber die Geschichte, die dem Leser erzählt wird, birgt viel Schönes.

Unser namenloser Protagonist erkrankt sehr schwer und es ist klar, dass er wird sterben müssen. Und das wahrscheinlich binnen der nächsten Tage, was uns auch gleich zu Beginn des Buches klar gemacht wird. Doch dann erscheint ihm der Teufel als sein Ebenbild, im kunterbunten Hawaiihemd und eröffnet ihm, dass er jeweils einen Tag länger leben darf, wenn er dafür eine Sache für immer von der Welt verschwinden lässt. Natürlich lässt sich unser Briefträger auf den Deal ein, denn er ist noch nicht bereit zu gehen. 

Und schon geht es los und man stellt sich als Leser unweigerlich die Fragen: Worauf würde ich verzichten, wenn ich dafür nur weiter leben könnte? Und wie viel wäre mein Leben dann wert, wenn es diese oder jene Sache nicht mehr gibt?
Spannende Fragen, die jeder nur für sich selbst beantworten kann. Auch der Protagonist stellt sich diesen Fragen und findet seine ganz eigenen Antworten, was auf eine ganz eigene, ruhige und nachdenkliche Art spannend ist.

Ich kann nicht behaupten, dass ich immer voll und ganz bei ihm und auf seiner Seite war, aber das machte letztendlich nichts. Als Charakter ist er sehr speziell und ich möchte behaupten typisch japanisch, denn die japanischen Autoren scheinen eine Vorliebe für solche Hauptcharaktere zu haben. Eher blass, langweilig, sozial isoliert und nichtssagend. Aber je weiter man liest, desto mehr kommt auch über seine Vergangenheit ans Licht und warum ihm gewisse Dinge sehr viel bedeuten und es ihm schwer fällt sie loszulassen. Irgendwann hatte ich so das Gefühl des stillen Verständnisses ihm gegenüber, auch wenn er ein durch und durch seltsamer Mensch für mich blieb. 

Erst hatte ich auch Bedenken, ob diese Geschichte sich auf so wenigen Buchseiten eindringlich genug erzählen lässt. Natürlich schreitet sie schnell voran, aber das zügige Tempo fand ich letztendlich nicht störend, sondern sogar ganz angenehm so. Es hatte meiner Meinung nach trotzdem die nötige Intensität, das Ziel einmal über die oben angesprochenen Fragen nachzudenken wurde für mein Dafürhalten erreicht und ich hatte wirklich Momente, in denen ich innegehalten und über das Gelesene gegrübelt habe. Gerade zum Ende hin gab es nochmal ein paar sehr emotionale Stellen und einen sehr berührenden Brief der Mutter des Protagonisten, bei dem ich tatsächlich mal kurz feuchte Augen hatte. 

Wer die Fragen, die dieses Buch aufwirft, genauso interessant findet wie ich, der sollte ruhig mal zu diesem Buch greifen. Es ist schon ein wenig eigensinnig erzählt und auch der Protagonist ist jetzt nicht jemand, den man sofort ins Herz schließt, aber trotzdem hat es seinen ganz eigenen tiefgründigen Unterton, der immer wieder zum Vorschein kommt und der mich irgendwie doch berühren konnte. Jedenfalls habe ich es nicht bereut es gelesen zu haben und auch nach dem Lesen hat es mich noch eine Weile beschäftigt. 














Kommentare:

  1. Hi Insi!

    Das hört sich wirklich total spannend an - genau solche Fragestellungen liebe ich sehr! Und kuriose Protagonisten mag ja auch, deshalb muss ich das unbedingt lesen!
    Typisch japanisch? *lach* Na da bin ich ja jetzt noch mehr gespannt! Japanische oder überhaupt asisatische Autoren hab ich bisher noch so gut wie nie gelesen, das macht mich jetzt noch neugieriger :)

    Liebste Grüße, Aleshanee

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    1. Ich kenne vor allem Haruki Murakami und da sind die Protas oft auch so drauf ;D. Und da ich auch japanische Manga gelesen habe (und ab und zu ja immer noch lese) sind mir da auch hin und wieder solche Charaktere begegnet. Es ist auf jeden Fall ein Muster erkennbar *lach*.
      Ich bin echt gespannt, wie du das Buch finden würdest ^^.

      Liebe Grüße
      Insi Eule

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  2. Hallo liebe Insi,
    auf diese Rezension habe ich ja schon mit Spannung gewartet.
    `Typisch japanisch´ - da kann ich nur zustimmen...zurückhaltend, bescheiden...hatte ich aufgezählt. Es ist eine ganz andere Mentalität, die eben nicht nach außen trägt. Und gerade deshalb konzentriert sich alles auf die Fragen, die das Buch aufwirft bzw. der Autor aufwerfen mag. Wie man sie wahrnimmt, kann ganz unterschiedlich ausfallen.
    Mir hat das Buch jedenfalls gefallen und damit bin ich offensichtlich nicht allein.
    Danke für den tollen Einblick.
    Sei mir ganz lieb gegrüßt, Hibi

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    1. Ja, "zurückhaltend" und "bescheiden" finde ich auch eine sehr passende Beschreibung. So sind sie, die Japaner *lach* ;D.

      Ganz liebe Grüße zurück ♥

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  3. Hi Insi!

    Diesmal habe ich mich von den anderen anstecken lassen und bin gerade dabei das Buch zu lesen. :D Weit bin ich noch nicht gekommen, deswegen kann ich auch noch nicht viel sagen. Den Schreibstil empfinde ich momentan als etwas abgehackt, aber mal schauen wie sich das noch entwickelt. Als Japan-Fan habe ich schon die ein oder andere Referenz entdeckt und schmunzeln müssen (Nausicaä!), das ist auf jeden Fall ein Bonus für mich. :)

    Liebe Grüße,
    Sam

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    1. Stimmt, zu Beginn kommt der Stil wirklich etwas abgehackt rüber, aber es war jetzt nichts was mir negativ aufgefallen wäre. Ich kam relativ schnell gut damit klar.
      Du bist Japan-Fan? Oh, na dann hast du sicher Spaß mit dem Buch :D

      LG Insi

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  4. Hi Insi,
    ja, typisch japanisch in seiner sozialen Isolation, das stimmt. Ich fand das Buch sehr berührend und je mehr ich von seiner Vergangenheit erfahren habe - erst recht nach dem Brief der Mutter - desto mehr Profil hat er gewonnen.
    Ich hab dich hier verlinkt.
    Gruß,
    Daniela

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    1. Der Brief der Mutter hat mir echt die Tränen in die Augen getrieben. So schön!
      Vielen Dank fürs Verlinken ♥

      LG Insi

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